Der Getreide-Mythos
„Getreide gehört nicht in Hundefutter!“ – Diesen Satz hört man immer wieder. Doch ist das wirklich so? Die Antwort ist wie so oft: Es kommt darauf an.
Können Hunde Getreide verdauen?
Im Vergleich zu Wölfen haben Haushunde durch die Jahrtausende lange Domestizierung mehr Kopien des Amylase-Gens entwickelt. Amylase ist das Enzym, das Stärke spaltet. Das bedeutet: Die meisten Hunde können Getreide und Stärke durchaus verwerten.
Allerdings nicht alle gleich gut – und nicht jedes Getreide ist gleich.
Gutes Getreide vs. schlechtes Getreide
Gut verträgliche Sorten
- Reis – Leicht verdaulich, gut für empfindliche Mägen
- Hafer – Ballaststoffreich, glutenarm
- Hirse – Glutenfrei, mineralstoffreich
- Amaranth – Pseudogetreide, reich an Proteinen
Problematische Sorten
- Weizen – Häufiger Allergieauslöser, enthält viel Gluten
- Mais – Wird oft als billiger Füllstoff verwendet
- Soja – Kann Blähungen verursachen, oft genmanipuliert
Wann ist getreidefreies Futter sinnvoll?
Getreidefreies Futter macht Sinn bei:
- Nachgewiesener Getreideallergie – Durch Ausschlussdiät bestätigt
- Glutenunverträglichkeit – Besonders bei Irish Settern (genetisch bedingt)
- Verdauungsproblemen – Die auf Getreide zurückzuführen sind
- BARF-Fütterung – Dort werden stattdessen Kartoffeln oder Gemüse verwendet
Wann ist Getreide im Futter okay?
Getreide im Futter ist akzeptabel wenn:
- Dein Hund es gut verträgt (fester Kot, kein Juckreiz)
- Es nicht der Hauptbestandteil ist (Fleisch sollte an erster Stelle stehen)
- Es hochwertige Sorten sind (Reis, Hafer statt Weizen, Mais)
- Der Getreideanteil unter 30% liegt
Das eigentliche Problem
Oft ist nicht das Getreide selbst das Problem, sondern die Menge und Qualität. Billiges Hundefutter verwendet Getreide als günstigen Füllstoff – manchmal bis zu 60-70% des Futters. Das ist definitiv zu viel.
Ein hochwertiges Futter mit etwas Reis oder Hafer als Kohlenhydratquelle ist für die meisten Hunde aber absolut in Ordnung.
Allergien richtig erkennen
Bevor du auf getreidefreies Futter umstellst, lass sicher abklären, ob eine Allergie vorliegt. Die häufigsten Futtermittelallergien bei Hunden richten sich nämlich gegen Proteine (Rind, Huhn, Milch), nicht gegen Getreide.
Anzeichen einer Futtermittelallergie:
- Juckreiz, besonders an Pfoten und Ohren
- Wiederkehrende Ohrenentzündungen
- Hautausschläge oder Hot Spots
- Chronischer Durchfall
Fazit
Getreide ist weder der Teufel noch ein Wundermittel. Entscheidend ist: Fleisch sollte die Hauptzutat sein, und wenn Getreide enthalten ist, dann in hochwertiger Form und moderater Menge. Wenn dein Hund Probleme zeigt, hilft eine Ausschlussdiät mehr als blindes Umstellen auf getreidefrei.
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